Betriebssysteme

 

 

 

Ein Betriebssystem wie MS-DOS, Windows, UNIX, Linux, OS/2, Sun- oder MacOS ist das wichtigste Programm eines jeden Rechners, das ein Arbeiten an diesem überhaupt erst ermöglicht, alles steuert und überwacht, denn ein Computer lebt ja - wie jedes elektronische Bauteil - nicht aus sich selbst heraus, seine gesamten Elemente müssen mit konkreten Anweisungen versorgt werden, wie und wo beispielsweise Ihre Daten zu speichern sind. Ein Betriebssystem bildet die Basis für alle darauf abgestimmten Anwendungsprogramme. Das hat natürlich den Nachteil, dass die auf ein Betriebssystem abgestimmten Anwendungsprogramme auch nur unter diesem System laufen. Eine Textverarbeitung wie "Word für Windows" kann beispielsweise nicht unter DOS oder Unix ausgeführt werden.

Ohne ein Betriebssystem kann ein Rechnersystem nur eines: mit Hilfe des BIOS feststellen, welche Bauteile angeschlossen sind (Festplatten, Diskettenlaufwerke., Tastatur..) und ob sie technisch intakt sind. Anschliessend fragt er seine Datenträger ab, ob sich irgendwo ein Betriebssystem befindet. Wenn ja, dann lädt ("bootet") er es, wenn nicht, bleibt der Bildschirm dunkel - das war's. Denn das Betriebssystem ist kein fest "eingebauter" Bestandteil eines PC, sondern eine Software, die wie jedes Anwendungsprogramm auf einem Datenträger installiert werden muss (daher auch der Name DISK Operating System  - DOS).

Das Betriebssystem arbeitet während des Rechnerbetriebs im Hintergrund. Wichtigster Bestandteil eines Betriebssystems ist der Kernel . Dieser steuert alle Ein- und Ausgaben, prüft z.B. mit einem Befehlsinterpreter, den man als eine Art "Dolmetscher" zwischen Ihnen und dem Rechner sehen kann, Ihre Eingaben auf die Richtigkeit und veranlasst die entsprechenden Aktionen, in dem es alle Eingaben, die es vom Benutzer oder dem Anwendungsprogramm erhält, in eine für den Computer verständliche Maschinensprache umwandelt, die - lax formuliert - nur aus "Nullen und Einsen" besteht, also einem für den Computer verständlichen Binärcode.  Somit ist das Betriebssytem der Dirigent Ihres Rechners, der sein Orchester (nahezu alle Bauteile des Rechners) Ihre Wunschmusik spielen lässt, sofern die erforderlichen Instrumente (=Arbeitsprogramme) vorhanden sind - salopp gesagt, denn eine genaue Definition ist kaum möglich. Grundsätzlich unterscheidet man in Einplatz- und Netzwerkbetriebssysteme, jeweils für unterschiedliche Leistungsklassen. Das Internet an sich, kommt allerdings ohne Betriebssystem aus. Lediglich das Internet-Protokoll (IP) regelt den Datenverkehr zwischen den verschiedenen Rechnern im Netz, schreibt aber kein spezielles Betriebssystem vor. Nur die Online-Programme, die Sie auf ihrem Rechner installieren, um damit in den weltweiten Datenrausch zu verfallen, müssen Ihrem Rechnertyp und seinem Betriebssystem angepasst sein.

Ein Betriebssystem (oder Rechnersystem als Einheit) muss natürlich auch IHREM Anforderungsprofil angepasst sein. Beim klassischen Büro-PC mit Textverarbeitungs-, Tabellenkalkulations und Präsentationssoftware führt zur Zeit eigentlich gar kein Weg an Windows vorbei. Für dieses System gibt es mit Abstand die meiste Anwendersoftware. Das als direkte Konkurrenz angebotene und zu  Windows  » kompatible » OS/2 von IBM führt ein ziemliches Schattendasein auf ein paar Bankrechnern, wird also auf dem privaten Markt gar nicht mehr angeboten. Die Anfangs-Euphorie zur Vorstellung des OS/2 legte sich recht schnell wieder, weil es vor Windows '95 auf den Markt kam, die Anwender also nur einen Vergleich zu Windows 3.11 hatten, was auf einem 486er-PC mit weniger Speicher auskam. Zwar sind auch für die anderen Systeme mittlerweile Office-Anwendungen erhältlich, aber spätestens beim Datenaustausch zwischen verschiedenen Rechnersystemen kommen Probleme auf. Ohnehin ist Windows auf vielen Rechnern bereits vorinstalliert und betriebsfertig eingerichtet, so dass der Wechsel auf ein anderes System sich nur dann lohnt, wenn man auf die Fähigkeiten eines anderen Systems zwingend angewiesen ist. Anbieter anderer Betriebssysteme prüfen daher rechtliche Schritte, ob dieser "Bundle-Verkauf" von Rechner inklusive eines bestimmten Betriebssystems rechtens ist. Windows ohne einen PC gekauft, kostet 400 DM - zusammen mit einem Rechner gibt es das schon fast als "Gratis-Beigabe". Würden die Justizbehörden gegen diese Handhabe entscheiden, könnte dies z.B. Linux zum grossen Durchbruch verhelfen.

Linux, das aus UNIX abgeleitet wurde, kann in Netzwerken oder  mathematischen Anwendungen seine ganze Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen, setzt aber entsprechende Kenntnisse und Tippfreudigkeit voraus. Auch auf einem heimischen PC läuft es stabil und sicher. Das System selbst ist kostenlos verfügbar, darf kopiert, weitergegeben und sogar verändert werden (siehe open source), sogenannte Distributionen mit einer Vielzahl von Anwendungen kosten zwischen 40-100 Fr. Durch die Verfügbarkeit von grafischen Oberflächen und immer mehr Softwareanwendungen wird es mehr und mehr zu einer interessanten (und preisgünstigen) Alternative zum "Platzhirschen" Windows.

Das seit seiner Vorstellung mit einer grafischen Benutzeroberfläche serienmässig ausgestattete MacOS arbeitet nur mit einem Motorola-Prozessor, der nur in Macintosh-Rechnern zu finden ist. Macintosh-Rechner wiederum, sind fast nur in Redaktionen, Werbeagenturen, TV- oder Tonstudios zu finden (neuerdings auch in Schulen). Im Bereich der professionellen Audio- und Bildbearbeitung ist der "Mac" der Rechner schlechthin und "defacto-Standard" so wie es Windows daheim ist.

siehe auch  DOS, Linux, OS/2, Sun, UNIX, MacOS, BIOS, Kernel, Binärcode,
                      Netzwerkbetriebssystem, Internet, IP, Online, kompatibel, open source

 

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Vor- und Nachteile der bekanntesten Betriebssysteme:

 

Betriebs-
system:

Vorteile:

Nachteile:

DOS:

geringer Bedarf an Speicherkapazität, derzeit noch defacto-Standard für PC, aufgrund der niedrigen Komplexität relativ stabil und ausgereift, hohe Arbeitsgeschwindigkeit durch Textmodus (grafische Anwendungen erfordern ein vielfaches an Speicher)

System an sich veraltet, dadurch kaum mehr verfügbare, reine DOS-Anwendersoftware erhältlich, geringe Leistung, keine Multitaskingfähigkeit, Bedienung über Textbefehle, keine grafische Oberfläche "inklusive", Grösse des adressierbaren Speichers sehr begrenzt, erheblicher Leistungsverlust beim Einsatz grafischer Oberflächen (Windows 3.x, 95/98) 

Linux:

kostenlos erhältlich, frei veränderbar, sehr stabil und sicher, als ein aus UNIX abgeleitetes Netzwerk-Betriebssystem Mehrbenutzer- und Multitaskingfähig, grosse "Fangemeinde", die das System aus purem Ehrgeiz pflegt, Hilfsprogramme kostenlos zur Verfügung stellt und in vielen Internet-Foren Anwendern / Neulingen hilft. Nahezu keine Virengefahr

ohne grafische Benutzeroberfläche von weniger versierten Anwendern äusserst schwer zu bedienen (Textbefehle), zur Zeit noch zu geringe Verbreitung, dadurch geringe Verfügbarkeit von klassischer Anwendersoftware. Peripheriegeräte derzeit noch nicht uneingeschränkt verwendbar.

Mac OS:

Grafische Benutzeroberfläche inklusive, hohe Leistungsfähigkeit, Geschwindigkeit und Speicherverwaltung, umfangreiche Funktionen, autom. Hardwareerkennung "Plug & Play" 

läuft nur auf Apple-Macintosh-Rechnern. Verfügbarkeit von klassischer Anwendersoftware ist dadurch gering. Relativ hoher Preis des Gesamtsystems. Peripheriegeräte wie Drucker oder Scanner müssen auf dieses System abgestimmt sein 

Windows 3x, 95/98*, ME, NT, 2000

hohe Verbreitung, dadurch hohe Zahl der unterstützten Anwendungsprogramme, einfache Bedienung durch grafische Benutzeroberfläche, umfangreiche Hilfedokumentation , autom. Hardwareerkennung "Plug & Play" ab Windows '95 (setzt entsprechende Hardware voraus)

Stabilitätsprobleme bei allen Einplatzversionen, teils unzureichende Datensicherheit in Netzwerken, höchster Speicherbedarf aller hier genannten Systeme. Windows 2000 noch nicht ausgereift, dort  (noch) "Verträglichkeitsprobleme" mit Anwendungen fremder Hersteller 

 

*) Windows 3x und 95/98 gelten im Gegensatz zu Win NT und 2000 streng genommen  nicht als Betriebssystem, sondern als grafische Benutzeroberflächen, da sie noch einen DOS-Kernel verwenden.